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Wir drehen das Rad der Zeit zurück zum Anfang der 90er Jahre. In München lernen sich die beiden Perser Ali Rakhshandeh und Iman Shahidi kennen und gehen fortan gemeinsame Wege. Alis Leidenschaft ist das Rappen und Iman tanzt – zwei Dinge, die zu dieser Zeit noch Hand in Hand miteinander gehen.
Es ist, zumindest musikalisch gesehen, die goldene Ära des Hip Hop. Die Amerikaner legen mit Scheiben wie A Tribe Called Quests "Midnight Marauders", Gangstarrs "Step in the Arena" oder Diamond D's "Stunts, Blunts & Hip Hop" einen Meilenstein nach dem anderen vor, was an Iman nicht spurlos vorübergehen soll.
Circa 1994 gründen Ali, Iman und ein paar anderen Freunde ihr erstes Pre-Production-Studio, wo zunächst jeder seine eigenen Produktionserfahrungen sammelt, bis Ali schließlich seine ersten Zeilen über Imans Instrumentale aufnimmt. Einige Zeit später löst sich dann vorerst alles auf, weil Ali unter anderem nach Amerika auswandert.
Ein Jahr später kehrt Ali wieder zurück nach München, wo er sich erneut und noch motivierter mit Iman trifft. Die beiden beginnen zu planen, erste Stücke werden aufgenommen und heraus kommt ein 4 Titel starkes Demotape. Nur können sich sie noch nicht vorstellen, mit diesem Demo in Deutschland auf offene Ohren zu stoßen. Deshalb entschließen sich die beiden vorerst, mit dem Tape in der Tasche nach New York zu fliegen, um sich dort fachmännischer Kritik zu stellen.
Inzwischen sind wir im Jahre 1996 und DJ Edward Sizzerhand trifft auf Ali und Iman. Er schließt sich den beiden an und wird ihr DJ. Zu dieser Zeit organisiert Ali einen Club in München. Um das Programm attraktiver zu gestalten lädt er DJ Größen aus ganz Deutschland ein, denen er auch das Demo vorspielt. Die Resonanz der DJs ist oftmals positiv. So landet das Tape über Umwege dann eines Tages in Hamburg bei Rene Goldenbeld von Showdown Records. Von der Musik beeindruckt begibt sich dieser nach München, wo er mit Square One, wie man sich jetzt nennt, ins Gespräch kommt.
So kommen Square One letzten Endes, ohne es drauf angelegt zu haben, zu einem Deal mit dem Hamburger Label Showdown und es erscheint die erste Maxi "Mind Body & Soul".
Bis heute haben sie bei
Showdown noch zwei weitere Maxis, nämlich "State of the Art" sowie ihren Albumteaser "Applause" herausgebracht. Weiter waren sie auch auf dem Juice "Masterblaster" Sampler, auf der Splash Compilation sowie auf Groove Attacks Superrappin Sampler zu hören. Außerdem taucht Rasul Allah mit einem Feature auf dem Album von DJ Thomilla auf, und auch Iman geht ab und an fremd. So produzierte er beispielsweise "Wahre Liebe" für Curse oder Nico Suaves "Es hängt davon ab".
Inzwischen entschloss sich auch Alis langjähriger Freund Scott alias Gianni Dolo nach einigen Anlaufschwierigkeiten (aufgrund seines ständigen Pendelns zwischen den USA und Deutschland) dazu, sich der Gruppe anzuschließen. Und so stehen die 4 in den Startlöchern, um amtlichen, englischsprachigen Rap aus Deutschland zu manifestieren:
"Wirklich einschätzen kann man eine Gruppe erst, wenn man ihr Album gehört hat", sagt Rasul Allah rückblickend auf die ersten drei Square One Maxis. So konnten Producer Iman, DJ Edward Sizzerhand und die beiden MCs Rasul Allah und Gianni Dolo mit ihren bisherigen Veröffentlichungen auf Showdown Records dem Hörer zunächst nur einen kleinen Einblick in ihr Repertoire gewähren. Lange haben sie an ihrem Album gearbeitet. Die Erwartungen wuchsen von Single zu Single, doch was die vier Münchner hier abliefern wird die Erwartungen (zumindest) erfüllen.
"Walk of Life" lautet der Titel des Debutalbums und er ist gleichzeitig auch der Rote Faden. Denn das Album spiegelt, wie das einleitende Zitat schon vermuten lässt, ganz einfach das Leben von Square One wider. Ein Leben, was nicht immer nur von Spaß und Freude geprägt ist. Als offensichtliche Ausländer erfährt man in der deutschen, oder noch besser gesagt, in der Münchner Gesellschaft eben nicht nur Positives. Dies haben die Vier – jeder auf seine Art und Weise – verarbeitet; herausgekommen ist ein facettenreiches, stimmungsvolles Album: Facettenreich, weil die Musik wie auch das Leben seine Höhen und Tiefen hat, stimmungsvoll, weil es ebenso umgesetzt wurde.
Hat man sich mit den Texten der ersten Maxis beschäftigt, wird einem sicherlich Rasul Allahs Hang zum Conscious Rap aufgefallen sein. Diese Linie verfolgt er auf Stücken wie "Gangsta" oder "Knowledge is Knowledge" gekonnt weiter. Er trifft eine noch klarere Wortwahl, bedient sich noch eindeutigerer Formulierungen und bringt einschlägige Erlebnisse aus seinem Umfeld aufs Papier und somit auf die Tracks. Doch es wäre nicht der "Walk of Life", wenn es nicht noch andere Seiten gäbe. So geschehen auf der Nummer "Can't mess". Hier nehmen sich die beiden MCs Rasul Allah und Gianni Dolo selber nicht so ganz ernst und frönen dem Flow. Auch ihre Liebe zum Rap an sich bringen die beiden zum Ausdruck, in dem sie auf "Countdown" simple Oldschoolroutinen zum Besten geben. Apropos Routiniers: Während die MCs ihre Raps routiniert vorführen präsentiert DJ Edward Sizzerhand auf "Unorthodox" seine Turntable Routines: Von derbsten Scratches bis hin zu sorgfältig ausgewählten Wordcuts – alles dabei.
Was die musikalische Umsetzung des "Walk of Life" anbelangt, verlassen sich Square One, bis auf drei Ausnahmen (Ill Will, Edward Sizzerhand, X-Ray) voll und ganz auf ihren Produzenten Iman. Zu recht, denn er versteht sein Handwerk wie kaum ein anderer. Seine Fähigkeiten, sowohl nach vorne gehende, als auch melancholisch – träumerische Beats der Güterklasse A abzuliefern zeichneten sich zwar schon auf den bisherigen Veröffentlichungen ab, aber was er hier auf Albumlänge bietet, geht noch weiter. Denn während sich auf vielen Alben immer wieder so genannte Füller befinden, gelingt es dem Münchner, das hohe musikalische Niveau der 12"s beizubehalten. Selten hat man schönere Samples gehört, und selten wurden sie auch noch so gekonnt eingesetzt.
Natürlich dürfen auf dem "Walk of Life" die Gäste nicht fehlen. Doch statt verkaufsfördernder, deutschsprachiger Features hört man neben den NY Legenden AG & Party Arty sowie dem Queensbridge Hot Shot Ali Vegas und den Münchnern Providence und Yinka (Chosen Few) nur englische Gastraps. Auf "Fallen Angels" tritt außerdem der Sänger Patrice in Erscheinung. Und auch das wirklich smoothe "Cry" wird durch einen stylischen Chorus, gesungen von der Londoner Sängerin Heidi Vogel, abgerundet.
Kurz um, was Square One mit ihrem ersten Album abliefern braucht sich nicht zu verstecken. Denn obwohl englischsprachiger Rap aus deutschen Landen immer besonderer Kritik ausgesetzt wird, liefern sie eine Platte auf Weltniveau ab!
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