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"Hart Aber Herzlich"
RÜCKBLICK (Teil 1):
Es ist das Jahr 1990. HipHop in Deutschland ist schon länger aus dem großen Hype heraus,
den Breakdance hervorgerufen hat. Der Untergrund boomt, und auf Jams treffen
sich die Wenigen, die sich mit dieser Kultur identifizieren und sie leben,
während sie sich zuerst bei öffentlichen Poetry Slams austauschen und später per
Battle auf Platte auseinander setzen. Es sind die viel beschworenen "guten alten
Zeiten", und wir ertappen uns dabei, dass wir bei unserer kleinen Rückschau so
reden wie unsere Großeltern. Aber egal: HipHop in Deutschland ist rein,
unberührt, voller Herz – und steckt aus heutiger Sicht noch in den
Kinderschuhen. Einer der Orte, in denen der Rap-Virus auf fruchtbaren Boden
fällt, ist Minden. Eine 120.000-Einwohner-Stadt in Ost-Westfalen, die zu einem
späteren Zeitpunkt im Munde vieler Rap-Fans in Deutschland sein wird. Doch davon
ist in diesen Pioniertagen nicht viel zu spüren. Zwei kleine Jungs, gerade mal
zehn, elf Jahre alt, stehen gemeinsam am Mittellandkanal, der durch Minden
fließt, und beobachten die dort täglich sitzenden Angler. Die beiden haben sich
gerade erst kennen gelernt – denn anstatt an diesem heißen Sommertag im Freibad
zu toben, wie das alle ihre Freunde tun, haben sie sich entschlossen, lieber den
Anglern zuzuschauen. Denis Lindahl und Enrico DiVentura mögen diesen meditativen
Zeitvertreib und tauschen sich sofort aus. Die beiden verstehen sich auf Anhieb,
und von diesem Tag an wird Angeln genauso wie später auch HipHop ihr Leben
prägen. Italo Reno & Germany haben sich gefunden. Nur dass sie 1990 noch
nicht wussten, dass sie sich einmal so nennen
werden.
GEGENWART (Teil 1)
Italo Reno & Germany sind zwei Männer, die oft über das gleiche lachen, die sich im
Sekundentakt abwechselnd hassen und lieben – zwei völlig unterschiedliche
Menschen, die sich aber doch so ähnlich sind, dass sie eigentlich Brüder sein
müssten. Doch genau das ist es, was Italo Reno & Germany auszeichnet, sowohl
als Künstler wie auch als Menschen: Die einerseits unmöglich scheinende, doch
andererseits perfekt funktionierende Harmonie zwischen Härte und Herz, geprägt
durch Street-Slang und sorgfältig durchdachte
Worte, musikalische Reife und
dreiste Old-School-Neuauflagen mit Spaßfaktor Zehn. Italo Reno & Germany
sind "Kosengs": brothers from different mothers. Freunde, die sich zusammen
durch dick und dünn boxen. Nicht miteinander, dafür
füreinander.
RÜCKBLICK (Teil 2):
Es ist das
Jahr 1996. HipHop weht bereits kräftig durch Minden. Denis Lindahl, Sohn eines
karibischen Vaters und einer deutschen Mutter, hat sich das Pseudonym "Germany"
gegeben und versucht, seinen Schulabschluss zu meistern. Sein langjähriger
Freund Enrico DiVentura, dessen italienischer Vater und Mutter mit Sinti-Wurzeln
ein Restaurant besitzen, nennt sich inzwischen Italo Reno und hat noch ein paar
Jahre mehr Schulweg vor sich. Er will sein Abi machen. Doch Schule oder sogar
Beruf sind das letzte, woran die beiden zu dieser Zeit denken. Mit den Platten
der Stieber Twins oder dem ersten Album der Massiven Töne weht plötzlich
qualitativ ein neuer Wind in der deutschen HipHop-Szene. Zur selben Zeit
kursieren die ersten Tracks eines Mindener MC namens Curse, und nicht zuletzt
dadurch brodelt HipHop in Italo Reno & Germanys Hometown wie nie zuvor.
Zusammen mit Lord Scan, einem der ersten Writer, Producer und MC in Minden,
liefern Sie sich unzählige Rap-Sessions – auf Parties, in Clubs, in der Stadt.
Und vor allem bei Lord Scan zu Hause, wo Sampler und Computer stehen. Damit
fertigt er nicht nur Remixe für die mittlerweile legendäre HipHop-Group La
Familia und Beats für Curse und Brixx, sondern auch unzählige Instrumentals für
die Sessions mit Italo Reno & Germany. Das führt dazu, dass die drei unter
dem Namen "Der Klan" ihr erstes Demo aufnehmen. Zusammen mit Curse verbreitet
Der Klan den Stadtnamen Minden schnell unter den Rappern der gesamten Republik.
Nach unzähligen Auftritten im Mindener Raum und vielen Gastauftritten bei Curse
und La-Familia-Konzerten in ganz Deutschland springt ein Plattenvertrag beim
damals freshesten HipHop-Label "Put Da Needle To Da Records" heraus. 1999
erscheint ihre erste EP, die mit dem abstrakt-lustigen Video "Katzengold" sogar
für Furore sorgt. Kurz darauf erscheinen im Jahr 2000 sowohl das Album
"Flashpunks" von Der Klan wie auch das Curse-Album "Feuerwasser", auf dem Italo
Reno & Germany
und Lord Scan mit drei Gastfeatures vertreten sind. Trotz
durchweg positiver Resonanz trennt sich Der Klan kurz darauf aufgrund
persönlicher und kreativer Differenzen. Lord Scan geht seinen Weg, Italo Reno
& Germany den ihren. Natürlich gemeinsam.
GEGENWART (Teil
2)
2004. Das erste Album von Italo Reno & Germany steht in
den Startlöchern. Seit der Trennung des "Klans" waren die beiden nicht untätig.
Italo Reno hat inzwischen sein Abi in der Tasche und Germany seine Lehre als
Chemikant abgeschlossen. Die beiden haben ein Jahr zusammen gewohnt und im Guten
beschlossen, besser voneinander getrennt zu leben. Sie waren auf der "Der Beste
Tag meines Lebens"-Tour von Kool Savas als Support dabei. Und sie haben auf den
"Von Innen Nach Aussen"-, "Innere Sicherheit"- und "Und was ist Jetzt?"-Touren
von Curse jeden großen und kleinen Club Deutschlands, Österreichs und der
Schweiz gerockt. Oft genug sind sie nach den Gigs mit lokalen Heads abgestürzt.
Mittlerweile ist ihr Ruf so gut, dass sie mittlerweile auf unzähligen Songs
gefeatured und auf nahezu jeder bedeutenden Compilation des Landes zu hören
sind. Auf "Nein" mit Kool Savas sind sie mit einem Gastfeature vertreten, ebenso
bei Plattenpapzt ("Immer Wieder Wir") und "Tschukka" von Roey Marquis II. Auch
auf allen drei Curse-Alben mischen die Jungs mit. Zum B-Seiten-Exclusive
"W.A.S." – zu finden auf der Top-40-Single "Widerstand" von Curse und Gentleman
– wird dann das erste eigene Video gedreht. Italo Reno & Germany haben ihre
Hausaufgaben gemacht. Die beiden sind in der HipHop-Szene bekannt wie zwei bunte
Hunde, aber die langjährige Arbeit bringt ihnen auch etwas ein, was nicht alle
Bands bei ihrem Erstlingswerk vorweisen können: Erfahrung in da
Game!
HART ABER HERZLICH – Das Album
Wenn
irgendwo der Name Programm ist, dann hier. Wie Italo Reno & Germany als
Menschen sind, so ist ihre Platte geworden: direkt, ehrlich, tiefgründig – und
alles andere als weich. Sie sagen, was sie denken, und dadurch finden sich auf
dem Album Songs wie das sexy "Heut Nacht", das einen singenden Olli Banjo
featured. Die akustische Soul-Hommage "Nur Du" oder der filmisch inszenierte
"Überfall" bilden einen harten, aber herzlichen Soundtrack für die Strassen,
Köpfe und Ärsche zugleich. Italo Reno & Germany sind "real", ohne eine zum
Trend passend aufgesetzte Gangster-Attitüde oder romantische
Ghetto-Glorifizierung an den Tag zu legen. Dieser positive Kampfgeist, der durch
eine selbst erlebte Notwendigkeit entstanden ist, spiegelt sich perfekt in der Aufbruchsh
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