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[Artists A-Z]

 

1992:
"Das Leben ist die Hölle. Irgendwie ist die Stadt in der du wohnst keine richtige Stadt. Irgendwie sind die Kumpels, die um dich herumhängen keine richtigen Kumpels mehr, seid sie Schore rauchen und irgendwie zeckt Dich der allabendliche Tattoocontest plus Hardcore Punk auch nicht so richtig an im Rheinland. Mann - eigentlich will ich doch nur Hip Hop Mucke machen. Raus aus diesem beschissenen Kaff. Vielleicht nach Köln zum Zivildienst. Vielleicht kommen die Leute dort drauf klar, wie ich drauf bin. Mann - hier versteht mich doch sowieso keine Sau. Wer soll mich denn hier schon auch verstehen. Ich verstehe ja auch keinen. Und mich, mich selbst verstehe ich ja auch nicht. Lass mich das mal so erklären: Es ist ja nicht nur die Mucke, die uns trennt. Obwohl. Eigentlich ist es nur die Mucke, die uns trennt. Die Attitude. Dass, wie ich die Welt sehe und wie diese Typen die Welt sehen. Mann - Ich muss Leute kennen lernen, die das leben Mann. Verstehst Du? Ich meine Hip Hop ist doch nicht so groß. Das gibt es ja nicht an jeder Ecke zu kaufen. Das musst Du leben. Irgendwie so wie wir, wenn wir mit Cello und Bongos einen Rhythmus einspielen und dann auf einem zweiten Ghettoblaster aufnehmen. Aber schon alleine das Wort Ghettoblaster. Das ist doch hier kein Ghetto - Obwohl - Eigentlich ist es doch ein Ghetto. Ein Westerwald Ghetto. Aber verstehst du das. Das kann es doch nicht sein. Irgendwo muss es doch jemanden geben, der ein richtiges Studio hat und der so richtig abgeht, der so richtige Sessions macht.
Neulich habe ich mal bei denen in Köln da angerufen. Bei diesen Blitzlabortypen. Aber irgendwie ist das so eine Geheimwissenschaft. Der hat so auf Zauberer Merlin gemacht und so auf: Da muss man eingeweiht werden. Das ist doch Scheiße. Ich meine, na klar bin ich ein Toy. Ich bin Obertoy. Aber na und? Muss ich mir jetzt ewig anhören, dass ich nicht zur richtigen Zeit in der richtigen Stadt war? Wir sprühen doch hier auch. Manche. Ich meine, ich und du. Ja, ja du ja auch nicht. Warum soll ich damit aufhören? Weil dir das nicht so wichtig ist? Nein. Das ist kein Hip Hop Quatsch. Das ist real Alter. Ich will das Leben. Verstehst Du? Ich will hier raus. Ich will das alles nicht mehr sehen hier. Aber wie trifft man solche Typen? Eigentlich müsste man die doch so zufällig treffen. So beim Plattenkaufen. So einfach so jemanden kennen lernen und der zeigt einem dann so die richtigen Spots. So ein ganz normaler Typ, wo sich dann rausstellt, der hat so ein Studio und so richtig Connection und dann kommt man dann so ganz chillig so zu dem nach Hause und dann sagt der: Hier rap mal was und Bam, dann ist man mitten drin und dann hat man irgendwas auf ein Tape gepackt. Mann. Davon träume ich. Einfach so zu leben. Verstehst du. Einfach so Hip Hop. Das wär's."


Lenny wird 1975 in Kiel geboren. Nach mehreren Stationen quer durch Deutschland, zieht die Familie schließlich nach Neuwied im Rheinland. Dort kommt Lenny durch Tapes, die ihm ein Homie aufgenommen hat, zum ersten Mal mit Hip Hop in Berührung. Besonders faszinieren ihn die etwas aggressiveren Sachen von N.W.A und den Beastie Boys.
Mit einem anderen Kumpel versucht er, Anfang der 90er Jahre auf 2 tragbaren Kassettenrecordern seine ersten Raps aufzunehmen. Diese englischen und nach eigenen Aussagen, grottenschlechten Reime, werden von einem gezupften Cello und von selbstgespielten Bongos musikalisch untermalt. Doch leider ist der kulturelle Boden in Neuwied für Rap nicht sonderlich fruchtbar oder besser gesagt: Die Jugend Neuwieds war musikmässig einfach auf einem anderen Film. Hardcore und Punk regierten und, weil das nicht schon schrecklich genug ist, daneben auch noch jede Menge Drogen. Und zwar richtige Drogen.
Für Lenny, der immer mehr auf dieses Hip Hop Ding abgeht, wird es immer schwieriger.
Verzweifelt versuchte er mit der Kölner Szene, die Anfang der 90er Jahre eine der aktivsten in Deutschland war, Kontakt aufzunehmen. Diese gab sich allerdings schwer als Geheimbund und wimmelte den wissbegierigen Fremden erst mal ab. So wusste Lenny lange Zeit nicht, was ein Sampler ist und wie man auch nur ansatzweise einen anständigen Beat produziert. Trotz allem blieb er am Ball, denn schließlich hatte er wenigstens entdeckt, dass es so etwas wie Singles mit B Seiten gab, und so schrieb er haufenweise Texte zu Ami Instrumentalen. Bewegung in das Hip Hop Leben von Lenny kam dann durch den Kontakt zu Mister Wiz (RAG), den Lenny auf einem Junglebrothers Konzert in Wuppertal kennen gelernt hatte. Dieser gab wenigstens über die gängigen Produktionsmöglichkeiten bereitwillig Auskunft und erklärte schon mal das ein oder andere Gerät. Doch so richtig ab ging es erst, als Lenny 1995 in Köln einreitet, um dort glorreich Zivildienst zu leisten.
Morgens kümmerte er sich um eine passende Stelle und nachmittags durchwühlte er dann einen Plattenladen nach dem anderen.
Mit einem lässigen "Hey, wo gibt es denn hier billige 1210er" lernte er dann eines Tages DJ Lifeforce kennen, der auf diese selten dämliche Frage (1210er gibt es nirgendwo billiger, die haben einen Einheitspreis) überaus freundlich reagierte. Er nahm den jungen Herrn Lenny ein wenig unter seine Fittiche und vor allem nahm er ihn auch mit in sein Aufnahmestudio, wo später dann auch die legendäre Tapereihe namens "Beatz aus der Bude" entstehen sollte. Er ermutigte Lenny immer wieder, weiter Texte zu schreiben und ans Mic zu steppen und vor allem auch mal öffentlich aufzutreten. Den ersten Liveversuch gab Lenny 1996 auf einer Jam in Köln, den er mit den Worten "Hallo ich heiße Lenny. Entschuldigung, aber das ist mein erster Auftritt" begann und nach dessen Ende eine wilde Gasknarrenschießerei einsetzte. Allerdings hatten Auftritt und Ballerei wohl nichts miteinander zu tun. Nun war der Stein am Rollen. Lenny entwickelte sich in Köln zu einem gefragten Freestyle MC und veröffentlichte 1998 sein Tape "Hier". Alleine, in Eigenregie, in Kleinstauflage aber dafür mit einem goldenen Cover - weil der Scheiß zwar Strasse aber dennoch edel war.
Vollgepackt mit, wie Lenny es ausdrückt, "krankem Kopfmüll, Alltagsgeschichten und Battlerap" kam das Tape in diverse Hände und verschaffte Lenny den Ruf, den man haben muss um dann schließlich mit Leuten wie Curse, ABS, Creutzfeld ¨ Jakob, RAG und DCS auf Tour gehen zu können.
Mehrere Features waren angesagt, 2000 erscheint die EP "Hunger", und eigentlich fehlte zum endgültigen Durchbruch nur noch eine LP Veröffentlichung. Doch bis es soweit kommen darf scheinen im Musikgeschäft erst einmal diverse Businessschwierigkeiten zu stehen. Streitereien mit dem alten Label, Suche nach einem neuen, das alles kostet Zeit, Kraft und Nerven.
Doch so wie es aussieht, scheint der Struggle nun vorbei zu sein.
Mit Put Da Needle To Da Records hat Lenny einen verlässlichen Partner gefunden und kann sich endlich wieder auf das Ziel konzentrieren, das zwar wohl jeder Musiker hat, aber das bei anderen nicht so hell brennt, wie bei ihm: "Ich will dieses Rap Ding einfach immer weiter auf die Spitze treiben. Ich will einfach immer besser werden. Ich will ganz schlicht und einfach immer bessere Musik machen."
Und genau so sieht's aus. Also lasst ihn endlich durchstarten.


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